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Record Yourself – Teil 2: Raumakustik – Warum dein Zimmer genauso wichtig ist wie dein Mikrofon

6 Min Lesezeit 20. Mai 2026
Record Yourself – Teil 2: Raumakustik – Warum dein Zimmer genauso wichtig ist wie dein Mikrofon

Du hast das richtige Equipment. Mikrofon, Interface, DAW – alles steht. Du nimmst auf. Und trotzdem klingt es irgendwie… komisch. Groß. Hallend. Nicht wie ein Studio.

Das liegt nicht am Mikrofon. Das liegt an deinem Raum.

Raumakustik ist das Thema das die meisten Home-Recording-Einsteiger komplett ignorieren – und das gleichzeitig den größten Einfluss auf deine Aufnahmequalität hat. In diesem Artikel erkläre ich dir was du wissen musst, was du tun kannst – und was du dir sparen kannst.

Dies ist Teil 2 der vierteiligen Recording-Serie für Rapper die sich selbst aufnehmen wollen.


Was passiert akustisch in deinem Raum?

Um Raumakustik zu verstehen musst du zwei Dinge kennen: Direktschall und Nachhall.

Direktschall ist der Schall der direkt von deinem Mund ins Mikrofon geht. Das ist was du willst. Das ist deine Stimme – klar, präsent, sauber.

Nachhall ist alles andere. Deine Stimme trifft auf die Wände, prallt zurück, trifft auf andere Wände, prallt wieder zurück – und all diese Reflexionen landen ebenfalls im Mikrofon. Aber zeitversetzt. Das ergibt diesen hallenden, schwammigen Klang den du aus schlechten Home-Recordings kennst.

Die Wissenschaft dahinter ist komplex – aber das Wichtige ist simpel: Wir wollen eine trockene, hallarme Aufnahme. Immer. Ohne Ausnahme.

Warum? Weil du später im Mixing Nachhall gezielt hinzufügen kannst. Aber Nachhall der bereits in der Aufnahme steckt lässt sich so gut wie nicht mehr entfernen. Was drin ist bleibt drin.


Der einfachste Test der alles erklärt

Du brauchst kein Equipment um zu verstehen wie hallend dein Raum ist.

Geh in dein Badezimmer. Klatsch einmal laut in die Hände. Hör auf das Echo.

Dann geh in dein Wohnzimmer. Klatsch wieder. Hör den Unterschied.

Das Badezimmer hallt stark – harte Fliesen, glatte Wände, kein absorbierende Material. Das Wohnzimmer hallt weniger – Sofa, Teppich, Vorhänge schlucken den Schall.

Genau diesen Unterschied spürt auch dein Mikrofon. Und genau deshalb klingt eine Aufnahme im Badezimmer gruselig – selbst mit dem teuersten Mikrofon der Welt.

Dein Ziel: Ein Raum der beim Klatschen so wenig Nachhall wie möglich erzeugt. Schalltot nennt man das.


Was wirklich hilft – von günstig bis professionell

Teppich – immer, überall, zuerst

Der erste und einfachste Schritt. Harte Böden – Parkett, Laminat, Fliesen – reflektieren Schall stark. Ein Teppich absorbiert diese Reflexionen vom Boden.

Wenn du noch keinen Teppich hast: Besorg dir einen. Nicht für Hunderte von Euro – ein günstiger Teppich aus dem Möbelhaus tut es. Hauptsache großflächig und unter und um die Position wo du aufnimmst.

Das ist die günstigste akustische Verbesserung die du machen kannst – und eine der wirksamsten.

Decken, Matratzen, Kissen – unterschätzte Helfer

Sieht nicht schön aus. Funktioniert aber wirklich.

Schallabsorbierende Materialien sind: Decken, Matratzen, Kissen, dicke Vorhänge, Kleidung. All das schluckt Schall und verhindert Reflexionen.

Wenn du günstig aufnehmen willst ohne in Akustik-Material zu investieren: Stell eine Matratze hinter und neben dich wenn du aufnimmst. Häng Decken an die Wände rund um deine Aufnahmeposition. Platziere Kissen strategisch.

Es muss nicht permanent so bleiben. Viele Rapper bauen sich vor jeder Session kurz ihren kleinen akustischen Bereich auf und räumen danach wieder weg.

Mikrofon in die Raummitte

Dieser Tipp wird oft übersehen: Je weiter du von den Wänden entfernt bist desto weniger Reflexionen landen in deinem Mikrofon.

Der Schall reist von dir zum Mikrofon – aber gleichzeitig auch zu den Wänden. Von dort kommt er zurück. Je kürzer der Weg zur Wand desto schneller kommt die Reflexion zurück – und desto stärker ist der Halleffekt.

Wenn dein Raum zu klein oder zu hallend ist: Stell das Mikrofon so weit wie möglich von allen Wänden entfernt auf. In der Raummitte bist du von allen Wänden gleich weit entfernt – das minimiert starke Einzelreflexionen.

Basotec Absorber – die günstige Profi-Lösung

Wenn du bereit bist etwas Geld zu investieren sind Basotec-Absorber die effektivste Lösung für Home Recording.

Basotec ist ein offenporiger Schaumstoff der speziell für Schallabsorption entwickelt wurde. Wichtig dabei: Mindestens 5–8 Zentimeter Dicke. Dünnerer Schaumstoff – wie der billige Noppenschaumstoff den man überall kaufen kann – absorbiert nur Hochfrequenzen. Die tiefen und mittleren Frequenzen deiner Stimme gehen einfach durch.

1 Zentimeter dicker Noppenschaumstoff ist Geldverschwendung. Ich empfehle ihn nie.

5–8 Zentimeter dicke Basotec-Platten dagegen absorbieren auch die tieferen Frequenzen deiner Stimme – und das ist was du brauchst für eine wirklich trockene, professionelle Aufnahme.

Wie du sie einsetzt: Bau dir eine akustisch behandelte Ecke. Das bedeutet: Platziere die Absorber an den Wänden rund um deinen Aufnahmespot – links, rechts, hinter dir. Wenn du reinklatscht darf dort kein Flatterecho mehr zu hören sein. Kein Hall. Nichts. Dann ist die Ecke schalltot.

Budget: 5–10 Basotec-Platten kosten je nach Größe zwischen 100 und 200€. Das ist eine einmalige Investition die deine Aufnahmequalität dauerhaft auf ein professionelles Level hebt.

Was du dir sparen kannst: Mikrofon-Screens

Es gibt diese halbkreisförmigen Schirme die man direkt ans Mikrofon schraubt – sogenannte Reflection Filter oder Mikrofon-Screens. Sie sehen professionell aus. Sie werden oft empfohlen.

Ich empfehle sie nicht.

Es gibt ausführliche Tests und Vergleiche die zeigen dass diese Screens in der Praxis kaum einen messbaren Unterschied machen – wenn überhaupt vielleicht zwei bis drei Prozent Verbesserung. Das liegt daran dass sie nur die Reflexionen von einer Seite abfangen. Die Reflexionen vom Boden, von der Seite, von vorne – die kommen trotzdem ans Mikrofon.

Mit dem Geld das ein guter Reflection Filter kostet kaufst du dir lieber zwei bis drei Basotec-Platten. Die machen einen echten Unterschied.


Die akustische Aufnahme-Ecke – so baust du sie auf

Wenn du alles zusammennimmst sieht dein idealer Aufnahmespot so aus:

Boden: Teppich unter und um deine Position.

Wände: Basotec-Absorber oder Decken/Matratzen an den Wänden links, rechts und hinter dir. Mindestens auf Kopfhöhe, besser von Boden bis Decke.

Über dir: Wenn möglich etwas Absorbierende über deiner Position – eine Decke die von der Decke hängt, ein Kissen das du befestigst. Deckenreflexionen werden oft vergessen aber sind ein häufiger Grund für hallende Aufnahmen.

Position: So weit wie möglich von den nackten Wänden entfernt. Ecken im Raum sind besonders problematisch – dort sammeln sich Tieffrequenzen. Aufnahmeecke so behandeln dass sie schalltot ist.

Test: Klatsch in die behandelte Ecke. Hörst du noch ein Echo? Noch Hall? Dann reicht die Behandlung noch nicht. Hörst du praktisch nichts – nur ein kurzes, trockenes Geräusch? Dann bist du bereit.


Die Kleiderschrank-Methode

Ein Klassiker den viele nicht kennen aber der wirklich funktioniert:

Der Kleiderschrank ist von Natur aus akustisch behandelt. Kleidung absorbiert Schall hervorragend. Wenn du in einem vollgehängten Kleiderschrank aufnimmst hast du einen natürlich schalltoten Raum – ohne einen Euro auszugeben.

Klingt komisch. Macht aber viele Profis. Und der Klang spricht für sich.


Kurz zusammengefasst

MaßnahmeKostenWirkung
Teppich0–50€✅ gut
Decken / Matratzen0€✅ gut
Mikrofon in Raummitte0€✅ gut
Basotec Absorber (5–8cm)100–200€✅✅ sehr gut
Kleiderschrank-Methode0€✅✅ sehr gut
Noppenschaumstoff (1cm)20–50€❌ kaum Wirkung
Mikrofon-Screen50–150€❌ kaum Wirkung

Was kommt als nächstes?

Du hast dein Equipment. Du hast deinen akustisch optimierten Raum. In Teil 3 geht es darum wie du alles richtig einstellst und verbindest – Gain, Pegel, Abhörlautstärke – damit deine erste Aufnahme wirklich sauber klingt.


Dein Raum klingt gut. Dein Setup steht. Jetzt brauchst du den Beat.

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